Der Regio-Spezial Prolog 06|2021

 

Getrennt marschieren, vereint schlagen

 

 

Bei unserer Reise in das Gebiet von Mittelrhein, Mosel und Saar mussten wir mit viel Geschick planen, um halbwegs zeitoptimiert unsere Termine wahrnehmen zu können. Hintergrund für unsere kreative Wegfindung war der Ausweichverkehr, der durch die gesperrten Strecken verursacht wurde, die wiederum der Flutkatstrophe geschuldet sind, die vor allem Teile der Eifel heimgesucht hat. Die überfüllten Straßen machen vor allem eines deutlich: Unsere Verkehrswege reichen nicht mehr aus, die Kapazitäten sind mehr als nur erschöpft.

 

 

 

 

 

Unser Verkehrssystem ist nicht resilient. Es war am Anfang sicherlich stabil und solide, durch mangelnde Pflege wurde es fragil, inzwischen ist es einfach nur noch unzureichend. Jede Störung auf einer Strecke bewirkt sofort massive Folgestörungen, bis hin zum Stillstand. Wir haben nicht nur keine Reserven, es reicht nicht einmal das bestehende Verkehrsnetz - selbst wenn es komplett intakt wäre. Die hochtrabenden Reden von Deutschland als „Logistikweltmeister“ stützen sich auf  die Früchte der Anstrengungen vergangener Tage, doch es gilt nach wie vor „Ohne Fleiß, kein Preis“, und am Fleiß haperts immer noch, denn endlose Streitereien, Verzögerungen und Planungen sind vielleicht anstrengend, sind aber nicht die Art konstruktiver Fleiß, die hier Not täte. Und dann geht der Preis in naher Zukunft eben nicht mehr nach Deutschland. Deshalb gibt es keine Alternative zur

Instandsetzung und zum Ausbau unserer Verkehrsinfrastruktur, und zwar ohne vorher gesetzte Limits, sondern in Abwägung des jeweiligen Bedarfs mit den regionalen Möglichkeiten. Dazu gehört natürlich auch der Weiterbau von Schienenwegen und Wasserstraßen! Doch so ein Ausbau ist langwierig und wir brauchen kurzfristige Konzepte, um unsere Transportketten am Laufen zu halten. Solche Konzepte können Fahrgemeinschaften sein, wie sie an der Mosel von Metz über Mertert und Trier bis nach Bonn, Neuss und den Seehäfen jetzt ausprobiert werden und wie sie am Rhein auch üblich sind. Teil dieser Konzepte ist übrigens, dass Wasserstraße und Schiene Hand in Hand arbeiten und sich nicht gegenseitig die Mengen abjagen, wie es im Falle der
Mineralöle schon geschehen ist. So gelingt die angestrebte Verkehrsverlagerung nicht!

 

Ihr

Martin Heying

SUT-Chefredakteur