Der Regio-Spezial Prolog 05|2020

 

Persönliche Gespräche

 

 

Wir haben den Start der vorliegenden Ausgabe verschoben, um die Gelegenheit wahrnehmen zu können, wieder vor Ort Gespräche zu führen. Denn wir haben schon lange verstanden, dass ein persönliches Gespräch, sozusagen Auge in Auge, durch nichts zu ersetzen ist: Durch keine E-Mail, durch kein Telefonat und durch keine Videokonferenz. Die Information hinter der Nachricht, das Verständnis für das Thema und füreinander, all das funktioniert besser, wenn man sich leibhaftig gegenübersteht.

 

Manchmal wünschte ich mir, dass diese Art der Kommunikation in allen Bereichen mit ähnlicher Hingabe gepflegt würde. Bei Entscheidungen der GDWS zum Beispiel, wenn es um die

 

Schiffbarkeit deutscher Wasserstraßen im Allgemeinen und der Oberelbe im Besonderen geht. Oder bei der Planung von Baustellen und Straßensperrungen, wie in Magdeburg, wo die zunächstgeplanten zeitgleichen Großbaustellen auf der BAB 2 und der B 1 fast zu einem gigantischen Transportstau geführt hätten. Oder bei Entscheidungen von Umweltministerien, wenn es um den Erhalt unserer Landschaften geht. Sonst kann es passieren, dass nicht nur Flussläufe austrocknen, sondern auch Auen und Wälder, wie an der Elbe und im Harz. Oder bei Entscheidungen, die in großen Seehäfen, wie Hamburg getroffen werden und die vorgeben ein grünes Verkehrskonzept umzusetzen, aber wasserseitige Umfuhren blockieren. Offen miteinander reden und unvoreingenommen alle Vor- und Nachteile beleuchten, stünde Umweltverbänden und

Bürgerinitiativen ebenso gut an, wie Ämtern und Ministerien. Dann würden öffentliche Beteiligungen an privatwirtschaftlichen Schaltstellen, wie Häfen (ganz gleich ob Hamburg oder Duisburg), vielleicht einmal hinterfragt und bestenfalls sogar beendet. Dann würde es auch keine willkürlichen Interventionen nach Gutsherrenart mehr geben, die mehr komplexen Befindlichkeiten, als der Volkswirtschaft dienen. In Zeiten, in denen Industrie und produzierendes Gewerbe anfangen, relevante Prozesse aus dem Inland zu verlagern, weil auf ihre Bedürfnisse nach flexibler Erreichbarkeit und guter Anbindung aller Verkehrsträger ebenso wenig Rücksicht genommen wird, wie auf den reibungslosen Fluss von Transporten, wären nachhaltige und zielführende Gespräche für alle Beteiligten möglicherweise der erste Schritt aus dem Dilemma.

 

Ihr

Martin Heying

SUT-Chefredakteur