Der Regio-Spezial Prolog 04|2020


„Licht im Dunkel“



Das Land erwacht langsam aus seiner Pandemie getriebenen Schockstarre und schaut ungläubig auf seinen veränderten Alltag: Home-Office und Video-Konferenzen in einer Umgebung, in der die Digitalisierung bislang hauptsächlich als Mittel zum streamen von Filmen und Videos missverstanden wurde; verunsicherte Schüler und Studenten, Freiberufler und Gewerbetreibende, Industrien und Logistiker – und Politiker, die mit Macht daran glauben möchten, dass wir im nächsten Jahr wieder deutlich im wirtschaftlichen Plus agieren werden.


Bei den Arbeiten, Gesprächen und Recherchen zu unserem Titelthema „Intermodaler Transport in Europa – Chancen für Häfen, Schiff + Bahn“ wurde eines ganz klar: Die Supply Chains sind empfindlich gestört, mancher Transportweg wird

sich nachhaltig verändern, manche wird es vielleicht gar nicht mehr geben, andere werden


geraume Zeit brauchen, bis sie wieder harmonisch und störungsfrei funktionieren. Der Glaube an ein deutliches Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr ist abseits der Politik nicht mehr so ausgeprägt. Und der Glaube daran, dass die Politik angemessen auf die Pandemie reagiert und fürderhin wirkungsvoll agiert, ist auch nicht mehr so stark, wie ehedem. Die Abwägung von wirtschaftlichem Schaden gegen gesundheitlichen Schaden ist ethisch nicht tragbar, aber die Erkenntnis, dass bestimmte Produktionsprozesse besser im eigenen Land erfolgen sollten und dass Logistikketten stabiler und weniger anfällig sein müssen, wächst. Am Ende der Krise wird die nächste stehen: Entweder wird man versuchen, so weiter zu machen, wie vorher – um über kurz oder lang erneut zu scheitern. Oder man wird versuchen mit Augenmaß die wirtschaftlichen Prozesse an die aktuellen Anforderungen anzupassen. Und das betrifft nicht nur diese oder kommende

Pandemien, das betrifft auch eine Welt im Klimawandel und eine Gesellschaft, die begreifen muss, dass Wohlstand ein gemeinsames, konstruktives Handeln voraussetzt. Hierzu gehört sicherlich auch, Infrastrukturprojekte und Kombinierte Verkehre gemeinsam zu unterstützen, zum Wohle von Klima und Wohlstand. Wenn dazu noch die Erkenntnis reift, dass u.a. Gesundheits- und Sozialwesen, Bildung und Verkehrsinfrastruktur Bereiche sind, die einer soziologisch-volkswirtschaftlichen und nicht einer betriebswirtschaftlichen Betrachtung bedürfen, dann hat die Corona-Krise nicht nur großen Schaden angerichtet, sondern tatsächlich auch eine positive Entwicklung in Gang gesetzt – sozusagen das „Licht im Dunkel“ entzündet.

 

Ihr

Martin Heying

SUT-Chefredakteur